Willi-Bleicher-Preis

Journalismuspreis der IG Metall Baden-Württemberg

Jury-Begründung Fernsehen

"Deutschland ungerecht - Was Wähler ändern würden" (Fleischbranche)
Claus Hanischdörfer, SWR

Der Autor und Regisseur des Südwestrundfunks ist hier kein Unbekannter, denn er zählte bereits im vergangenen Jahr zu den Preisträgern. In der ARD-Dokumentation "Deutschland ungerecht - Was Wähler ändern würden" berichtet er von Mitarbeitern eines Schlachthofes im bayerischen Waldkraiburg, die zu Dumpinglöhnen arbeiten müssen, weil Tariflöhne trickreich unterlaufen werden.

Ausgestrahlt wurde die insgesamt 45minütige Dokumentation im September des vergangenen Jahres in der ARD - wenige Tage vor der Bundestagswahl. Damals stand das Thema Gerechtigkeit ganz oben auf der Agenda der wahlkämpfenden Parteien. Der perfekte Zeitpunkt also, bei Politikern Antworten jenseits von "Sonntagsreden" einzufordern. An die Dokumentation schloss sich Frank Plasbergs Polit-Talkrunde "Hart aber fair" an.

"Es gibt Ungerechtigkeiten vor unserer Haustür, die zum Himmel schreien", schreibt Claus Hanischdörfer in einer, auf seiner Homepage veröffentlichten, Produktionsnotiz. Im Film kommt unter anderem ein Metzger zu Wort, der seinen Beruf vor 25 Jahren gelernt hat. Ein sicherer Beruf, der ihn ernährt, dachte er mal - bis er in Waldkraiburg manchmal 75 Stunden in der Woche arbeiten musste, um auf 1.800 ¤ netto im Monat zu kommen.

Ein Hungerlohn und kein Einzelfall. "In der Fleischbranche gilt Deutschland als Billiglohnland" - allein dieser Satz im Film von Claus Hanischdörfer rüttelt - das hoffte man jedenfalls als Zuschauer - auch den letzten bis dato desinteressierten Politiker wach. Laut Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten machen die großen Schlachtkonzerne ihre Schlachthöfe in Dänemark, Frankreich oder Belgien dicht - und kaufen sich in Deutschland ein. Das eigentliche Schlachten jedoch übernehmen schon seit Jahren immer neue Subunternehmer, die den Arbeitnehmern immer neue Verträge zu immer schlechteren Bedingungen vorlegen. Wer nicht unterschreibt, wird gekündigt. Gnadenlose Ausbeutung der Beschäftigten, nennt man das.

"Dass es überhaupt Vollzeitjobs gibt, von denen man nicht leben kann, ist ein Armutszeugnis für unser Land", schreibt Claus Hanischdörfer auf seiner Homepage. Die Fakten in seinem siebenminütigen Film sprechen für sich.

Und übrigens: Nach dem Regierungswechsel bekam die wegen Dumpinglöhne in Verruf geratene Fleischwirtschaft einen branchenweit verbindlichen Mindestlohn. Augenblicklich liegt er bei 7,75 ¤ und soll sich bis Dezember 2016 auf 8,75 ¤ die Stunde steigern.

Preis 2014

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