Willi-Bleicher-Preis

Journalismuspreis der IG Metall Baden-Württemberg

Jury-Begründung Nachwuchs

"Schritt für Schritt"
Lara Fritzsche, Süddeutsche Zeitung Magazin

Nicht genug, dass die Frauen ihre Arbeit verloren haben. 27.000 Beschäftigte der Drogeriekette Schlecker standen über Nacht ohne Jobs da, als Anton Schlecker sein Drogerieimperium ruinierte. Und dann verhöhnte ein Berliner Minister sie als Arbeitskräfte ohne "Anschlussverwendung".

Lara Fritzsche führt uns die Schlecker-Methoden noch einmal genau vor Augen: die Schikanen, das ausgeklügelte Kontrollsystem, die Absurditäten des "Systems Schlecker". Doch es war ein Job. Die Frauen brauchten das Geld. Und dann: Lara Fritzsche schreibt über das wirtschaftsliberale Experiment, das an den Schlecker-Frauen ausprobiert wurde: "Am Ende statuierten er (Phillip Rösler, ehem. Wirtschaftsminister) und die FDP an den Drogistinnen ein wirtschaftsliberales Exempel: keine Transfergesellschaft. Keine Unterstützung. Und die Frauen? Bei denen bleibt das Gefühl zurück: Mit uns kann man's ja machen."

Der Artikel beschreibt einen Prozess der Emanzipation. Einige der Frauen gründen nun eigene Geschäfte. Aus Unmündigen und Verhöhnten werden selbstbewusste Unternehmerinnen. Die Schlecker-Frauen nehmen ihr Schicksal in die eigenen Hände.

Lara Fritzsche beschreibt diesen Prozess mit Humor und Anteilnahme. Sie schildert die Hoffnung, die Irrtümer, das Misstrauen der Banken, die Unterstützung durch Frau Frank von der Gewerkschaft verdi.

Es ist wie jeder emanzipatorischer Weg kein einfacher. Er ist mühsam. Aber wohl jeder, der Lara Fritzsches Arbeit gelesen hat, drückt diesen mutigen Frauen die Daumen - und geht bei ihnen einkaufen, falls der Laden in der Nähe ist.

Preis 2014

Jury-Begründungen